Mehlschwalbe fliegt zum Sieg!

Mehlschwalbe - Foto: Karsten Mosebach

Mehr als 148.500 Menschen haben bei der Vogelwahl mitgemacht
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Berlin/Düsseldorf – Die Sommerbotin ist Vogel des Jahres 2027: Mit 67.050 Stimmen (45,2 Prozent) setzte sich die Mehlschwalbe (Delichon urbicum) durch. Insgesamt beteiligten sich 148.506 Menschen an der öffentlichen Wahl zum Vogel des Jahres von NABU und LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz). Für den Trauerschnäpper entschieden sich 33.181 Wählende (22,3 Prozent), der Kolkrabe kam auf 22.587 (15,2 Prozent), die Wasseramsel auf 16.074 (10,8 Prozent). Auf den letzten Platz landete der Kranich mit 9.614 Stimmen (6,5 Prozent).

Der neue Jahresvogel wurde in Abwesenheit gekürt – er überwintert derzeit Tausende Kilometer weit weg, in Afrika, südlich der Sahara. Erst Anfang April kommen die Mehlschwalben zurück zu uns, um zu brüten. Auch wenn nach dem bekannten Sprichwort eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, gelten sie als Vorboten der warmen Jahreszeit. „Leider ist der neue Jahresvogel gefährdet“, sagt NABU-Vogelschutzexperte Martin Rümmler. Bis zu 770.000 Brutpaare gibt es noch in Deutschland.

In Nordrhein-Westfalen geht man noch von bis zu 52.000 Brutpaaren aus. Der Bestand geht aber stetig zurück, vor allem durch illegale Zerstörung von Nestern und Vergrämungsmaßnahmen an Häusern. „Moderne Architektur und die zunehmende Versiegelung machen es Schwalben zudem oft unmöglich, ihre Nester zu bauen. Da Mehlschwalben sich von Fluginsekten ernähren, trägt auch der anhaltende Insektenschwund zu deren Rückgang bei, fehlt doch einfach ausreichend Nahrung insbesondere für die Aufzucht der Jungtiere“, so Christian Chwallek, Sprecher des Landesfachausschusses Ornithologie beim NABU NRW.

Die Vögel sind etwa 14 Zentimeter groß und haben einen kurzen, leicht gegabelten Schwanz. Oberseite und Flügel sind schwarz, wobei Kopf und Rücken metallisch blau glänzen. Unterseite und Bürzel leuchten weiß wie Mehl – daher stammt auch ihr Name. Mehlschwalben sind gesellig: Sie brüten in Kolonien und sind auch außerhalb der Brutzeit in großen Schwärmen anzutreffen. Sie bauen runde, nahezu geschlossene Lehmnester an Gebäuden unter Dach- oder Fassadenvorsprüngen und an Felswänden in Nischen. Ein solches Nest besteht aus bis zu 1.500 Lehmkügelchen, die die Schwalben in Pfützen sammeln. Insekten fangen sie im Flug oft in großer Höhe.

„Helfen kann man dem neuen Jahresvogel, indem man seine Nester am Haus duldet“, rät Rümmler. „Wer Mehlschwalben willkommen heißt, kann vom NABU die Plakette ,Schwalbenfreundliches Haus‘ erhalten.“ Lehmpfützen in Hof oder Garten bieten den Vögeln Baumaterial, ein insektenfreundlicher Garten lockt Nahrung für die Sommerboten an.

Die Mehlschwalbe folgt auf das Rebhuhn, das in diesem Jahr den Titel trägt. Der „Vogel des Jahres“ wurde in Deutschland erstmals im Jahr 1971 gekürt. Seit 2021 wird er durch eine öffentliche Wahl bestimmt.

Mehr Infos: http://www.vogeldesjahres.de


Und das waren die Kandidaten:

Die Wasseramsel

Steckbrief:
17-20 cm groß
Standvogel und Kurzstreckenzieher
ganzjährig zu beobachten
weiße Brust und Kehle

Wasseramsel mit Beute – Foto: Mathias Schäf

Die Wasseramsel ist der einzige einheimische Singvogel, der tauchen, schwimmen und sogar unter Wasser laufen kann. Sie brütet vor allem in Mittel- bis Süddeutschland in der Nähe von geröllreichen, schnell fließenden Bächen und Flüssen im Wald- und Bergland. Ihr Slogan: „Klarer Bach, klarer Fall!“

Die Wasseramsel ist stark an Gewässer gebunden und der einzige einheimische Singvogel, der tauchen und schwimmen kann. Ihr überwiegend braunes Gefieder ist sehr dicht und somit perfekt an die aquatische Lebensweise angepasst. Sie brütet vor allem in Mittel- bis Süddeutschland in der Nähe von geröllreichen, schnell fließenden Bächen und Flüssen im Wald- und Bergland.

Gefährdungsgrad
Nicht gefährdet

Bestandszahl
8.000 – 14.500 Brutpaare


Die Mehlschwalbe

Steckbrief:
13-15 cm groß
Langstreckenzieher, überwintert in Afrika
von April bis September zu beobachten
baut geschlossene Lehmnester an Außenwänden von Gebäuden

Mehlschwalben – Foto: Karsten Mosebach

Die Mehlschwalbe hat als Insektenfresser und Gebäudebrüter gleich zwei Probleme, die ihren Bestand gefährden: Durch den Insektenschwund hat sie weniger Nahrung zur Verfügung. Zudem werden ihre Nistplätze oft entfernt, etwa bei Gebäudesanierungen. Ihr Slogan lautet: „Auf gute Nachbarschaft!“

Die Mehlschwalbe gehört zum typischen Bild und auch zur Geräuschkulisse der ländlicheren Umgebung. Da sie ihre Nester direkt an Felswänden oder höheren Gebäuden baut, ist sie eher in Städten und Kleinstädten unterwegs als in der offenen Landschaft oder in kleinen Dörfern. Mit der Rauchschwalbe teilt sie sich zwar bei der Futtersuche einen Lebensraum, sie nisten aber an unterschiedlichen Orten. Die Mehlschwalbe ist bei uns Sommerbotin, ihre Rückkehr läutet die warme Jahreszeit ein.

Gefährdungsgrad
Gefährdet

Bestandszahl
415.000 – 770.000 Brutpaare


Der Kolkrabe

Steckbrief:
54-67 cm groß, Flügelspannweite 115-130 cm
ganzjährig zu beobachten
schwarz und bussardgroß

Kolkraben nutzen eine eigene Sprache. Bis zu 79 verschiedene Rufe konnten nachgewiesen werden.
Sogar Regeln für den Gebrauch gibt es.

Kolkrabe – Foto: Mathias Schäf

Der Kolkrabe ist aus vielen Märchen und Mythen bekannt. Der besonders intelligente und soziale Vogel gilt als Götterbote, Lichtbringer und Vermittler zwischen den Welten. Weil manche Menschen ihn nicht mögen, ist sein Leben durch Abschüsse und Vergiftungen bedroht. Sein Slogan: „Schwarze Federn, helles Köpfchen!“

Der große schwarze Vogel taucht schon seit jeher in Mythen und Märchen auf. Sein geheimnisvolles und beeindruckendes Äußeres hat es uns schon immer angetan. Zudem wissen wir heute, dass der Kolkrabe sehr sozial und intelligent ist. Im nebligen oder dämmrigen Wald klingt sein tiefes „kroak“ noch viel beeindruckender.

Gefährdungsgrad
Nicht gefährdet

Bestandszahl
21.000 – 30.000 Brutpaare


Der Kranich

Steckbrief:
96-116 cm groß
mehrheitlich Kurzstreckenzieher
ganzjährig zu beobachten
trompetender Ruf

Kraniche im Duett – Foto: Christoph Kasulke

Mit seinem typischen Trompeten stellt sich der Kranich zur Wahl. Der Zugvogel ist in vielerlei Hinsicht ein spektakulärer Kandidat. Die stattliche Größe, die eleganten Balztänze und der Zug in großen Keilformationen sind echte Naturschauspiele. Weil er Feuchtgebiete zur Rast und Brut braucht, lautet sein Slogan: „Allzeit nasse Füße!“

Kraniche sind in vielerlei Hinsicht besondere Vögel: Ihr Aussehen fällt auf, die Balz ist spektakulär, und der Kranichzug ist jedes Jahr ein besonderes Naturschauspiel. Mit lauten Rufen ziehen sie in großen Keilformationen am Himmel entlang und versammeln sich mit mehreren tausend Tieren an den Rastplätzen. In Deutschland befinden sich solche Rastplätze vor allem im Norden und Nordosten. In den letzten Jahrzehnten hat sich beim Brutvorkommen hierzulande ein positiver Bestandstrend entwickelt.

Gefährdungsgrad
Nicht gefährdet

Bestandszahl
12.000 – 12.500 Brutpaare


Der Trauerschnäpper

Steckbrief:
12-13 cm groß
Langstreckenzieher, überwintert in Afrika
von Mai bis August zu beobachten
geht überwiegend fliegend auf Beutefang

Trauerschnäpper – Foto: Mathias Schäf

Anders als sein Name vermuten lässt, ist der Trauerschnäpper ein munterer Luftakrobat. Er fängt sein Futter oft im Flug. Leider geht er wegen der Klimakrise bei der Suche nach Bruthöhlen und Nahrung für seinen Nachwuchs oft leer aus. Sein Slogan lautet: „Mach Tempo fürs Klima!“

Der Trauerschnäpper ist in ganz Deutschland verbreitet und gern in Wäldern und baumreichen Gegenden unterwegs. Dem ruffreudigen und auffällig gezeichneten kleinen Vogel werden Sie bestimmt schon einmal begegnet sein. Mit dem ähnlichen Halsbandschnäpper geht er im Überschneidungsgebiet auch gerne Mischehen ein.

Gefährdungsgrad
Gefährdet

Bestandszahl
70.000 – 135.000 Brutpaare