Paderborn. Angesichts der dramatischen Haushaltslage der Stadt mit prognostizierten jährlichen Defiziten zwischen 50 und 70 Millionen Euro fordert der NABU Paderborn ein grundlegendes Umdenken in der Finanzpolitik. Statt bei sozialen, kulturellen und freizeitbezogenen Angeboten zu kürzen, sieht der Verein erhebliche Einsparpotenziale in einem Bereich, der bislang politisch kaum hinterfragt wird: der intensiven Pflege öffentlicher Grünflächen.
Bereits seit vielen Jahren setzt sich der NABU Paderborn für ein ökologisch sinnvolles und wirtschaftlich nachhaltiges Mähkonzept ein. Weniger häufiges Mähen von Rasenflächen in Parkanlagen, an Schulen sowie entlang von Straßen- und Wegerändern fördert nicht nur die Artenvielfalt, sondern trägt auch dazu bei, erhebliche Kosten einzusparen. Dennoch sind unsere Vorschläge bislang weitgehend ungehört verhallt.
Ein Blick in den städtischen Haushalt zeigt die Dringlichkeit: Für die Unterhaltung öffentlicher Grünflächen wurden im Jahr 2025 über 5,7 Millionen Euro ausgegeben – ein deutlicher Anstieg gegenüber 4,4 Millionen Euro im Jahr 2023. Für das laufende Jahr 2026 werden laut Haushaltsentwurf 5,7 bis 6,2 Millionen Euro für diese Position anfallen.
Diese Entwicklung ist angesichts der angespannten Haushaltslage nicht länger hinnehmbar.
Gleichzeitig schlägt die Verwaltung als Sparmaßnahmen unter anderem reduzierte Öffnungszeiten für Schwimmbäder sowie Einschnitte im sozialen und kulturellen Bereich vor. Diese Maßnahmen treffen die Bürgerinnen und Bürger unmittelbar und verschlechtern die Lebensqualität in unserer Stadt erheblich.
„Es ist nicht nachvollziehbar, dass ausgerechnet bei Angeboten gespart werden soll, die dem Gemeinwohl dienen, während gleichzeitig Millionenbeträge für ein überzogenes Pflegekonzept im öffentlichen Grün ausgegeben werden“, erklärt Otmar Lüke, Vorsitzender des NABU Paderborn. „Dabei liegt hier eine echte Win-win-Situation auf der Hand: Weniger Mähen bedeutet geringere Kosten und gleichzeitig mehr Natur- und Artenschutz – und das praktisch zum Nulltarif.“
Ein angepasstes Mähkonzept könnte große Teile der Flächen in Blühwiesen verwandeln, Lebensräume für Insekten und Vögel schaffen und gleichzeitig den Pflegeaufwand deutlich reduzieren. Zahlreiche Städte und Gemeinden in Deutschland haben diesen Schritt bereits erfolgreich vollzogen (zum Beispiel Porta Westfalica, die Gemeinde Möhnesee, Detmold oder Mönchengladbach).
Der NABU Paderborn fordert Politik und Verwaltung daher auf, im Zuge der jetzt anstehenden Haushaltsberatungen für das laufende Jahr 2026 endlich umzusteuern. Statt kurzsichtiger Kürzungen in sensiblen Bereichen braucht es mutige, nachhaltige Entscheidungen, die sowohl den städtischen Haushalt entlasten als auch einen echten Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten.
„Die aktuelle Situation bietet die Chance, alte Routinen zu hinterfragen und neue Wege zu gehen. Diese Chance sollte Paderborn jetzt nutzen“, so Otmar Lüke abschließend.
